Das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) ist eine der wichtigsten Kennzahlen im Trading. Es sagt dir vor jedem Trade, wie viel du gewinnen kannst, wenn du es ins Verhältnis zu dem setzt, was du zu verlieren bereit bist.
Was das Chance-Risiko-Verhältnis aussagt
Das CRV (englisch: Risk-Reward-Ratio) vergleicht den möglichen Gewinn eines Trades mit dem möglichen Verlust. Geschrieben wird es meist als Verhältnis wie 2:1 oder 3:1. Ein CRV von 3:1 bedeutet: Du riskierst eine Einheit, um drei Einheiten gewinnen zu können.
Damit ist das CRV eine reine Plan-Kennzahl. Es beschreibt die Geometrie deines Trades – wo Einstieg, Stop-Loss und Take-Profit liegen – und nicht, wie wahrscheinlich der Gewinn ist. Genau deshalb darfst du es nie isoliert betrachten, sondern immer zusammen mit der Trefferquote.
So berechnest du das CRV
Du brauchst drei Kurse: deinen Einstieg, deinen Stop-Loss (Risiko) und deinen Take-Profit (Chance). Die Formel lautet:
CRV = (Take-Profit − Einstieg) ÷ (Einstieg − Stop-Loss)
Du teilst also den Abstand vom Einstieg zum Ziel durch den Abstand vom Einstieg zum Stop. Ein Beispiel:
- Einstieg: 100,00 €
- Stop-Loss: 98,00 € → Risiko = 2,00 €
- Take-Profit: 106,00 € → Chance = 6,00 €
CRV = 6,00 € ÷ 2,00 € = 3, also ein Verhältnis von 3:1.
Bei einer Short-Position drehst du die Vorzeichen einfach um: Das Risiko ist dann der Abstand nach oben zum Stop, die Chance der Abstand nach unten zum Ziel. Schneller geht das mit dem risk-reward-rechner, der dir aus drei Kursen direkt das CRV und die zugehörige Break-even-Trefferquote ausgibt.
CRV und die nötige Trefferquote
Jedes CRV hat eine Break-even-Trefferquote – also den Anteil an Gewinn-Trades, ab dem du langfristig weder Gewinn noch Verlust machst (Gebühren und Spread ausgeklammert). Die Formel:
Break-even-Trefferquote = Risiko ÷ (Risiko + Chance)
Bei einem CRV von 3:1 ist das Risiko eine Einheit und die Chance drei Einheiten, also: 1 ÷ (1 + 3) = 0,25 = 25 %. Du müsstest somit nur jeden vierten Trade gewinnen, um nicht zu verlieren. Die wichtigsten Werte im Überblick:
| CRV | Risiko : Chance | Break-even-Trefferquote |
|---|---|---|
| 1:1 | 1 : 1 | 50 % |
| 2:1 | 1 : 2 | 33,3 % |
| 3:1 | 1 : 3 | 25 % |
| 4:1 | 1 : 4 | 20 % |
Je höher das CRV, desto seltener musst du recht behalten, um die Verlust-Trades auszugleichen. Das klingt nach einem klaren Argument für möglichst hohe CRVs – ist aber nur die halbe Wahrheit.
Warum ein hohes CRV nicht automatisch besser ist
Ein höheres CRV erreichst du in der Praxis fast immer dadurch, dass du dein Take-Profit-Ziel weiter weg legst. Je weiter das Ziel entfernt liegt, desto unwahrscheinlicher wird es jedoch erreicht – der Markt hat schlicht mehr Gelegenheit, vorher zu drehen und deinen Stop auszulösen.
Mit dem CRV steigt also nicht nur die Chance, sondern in der Regel sinkt gleichzeitig deine tatsächliche Trefferquote. Ein Trade mit CRV 4:1 nützt dir nichts, wenn dein Ziel so ambitioniert ist, dass du es nur in 15 % der Fälle erreichst – denn 15 % liegen unter den nötigen 20 % aus der Tabelle. Umgekehrt kann eine Strategie mit CRV 1:1 hochprofitabel sein, wenn sie zuverlässig 60 % Trefferquote liefert.
Entscheidend ist deshalb nie das CRV allein, sondern die Kombination aus CRV und realistischer Trefferquote.
Der Erwartungswert verbindet beides
Die Kennzahl, die CRV und Trefferquote zusammenführt, ist der Erwartungswert. Er sagt dir, wie viel ein Trade im Durchschnitt einbringt:
Erwartungswert = Trefferquote × Gewinn − (1 − Trefferquote) × Verlust
Rechnen wir es konkret durch. Du nutzt das obige Setup mit einem CRV von 3:1 und riskierst pro Trade 100 €. Bei einem Gewinn-Trade verdienst du also 300 € (3 × Risiko), bei einem Verlust verlierst du 100 €. Deine Strategie trifft in 40 % der Fälle:
- Gewinn-Anteil: 0,40 × 300 € = 120 €
- Verlust-Anteil: 0,60 × 100 € = 60 €
- Erwartungswert = 120 € − 60 € = 60 € pro Trade
Über 100 Trades wären das im Mittel 6.000 € Gewinn. Die 40 % Trefferquote liegen klar über der Break-even-Marke von 25 %, daher ist der Erwartungswert positiv.
Senkst du die Trefferquote auf nur 20 %, dreht sich das Bild: 0,20 × 300 € − 0,80 × 100 € = 60 € − 80 € = −20 € pro Trade. Trotz attraktivem CRV von 3:1 wäre die Strategie ein Verlustgeschäft. Genau diese Rechnung nimmt dir der erwartungswert-rechner ab und zeigt dir zusätzlich den Profitfaktor.
Fazit
Das Chance-Risiko-Verhältnis ist ein nützliches Planungswerkzeug, aber kein Qualitätssiegel für sich. Ein CRV von 3:1 ist nur dann gut, wenn deine Trefferquote die zugehörige Break-even-Marke von 25 % zuverlässig übertrifft. Beurteile jeden Trade und jede Strategie deshalb immer über den Erwartungswert, der CRV und Trefferquote sauber miteinander verrechnet. Mit dem risk-reward-rechner bestimmst du das CRV und die nötige Trefferquote, mit dem erwartungswert-rechner prüfst du anschließend, ob sich das Setup über viele Trades wirklich lohnt.