FIRE steht für “Financial Independence, Retire Early” – also finanzielle Unabhängigkeit und ein früher Ausstieg aus dem klassischen Erwerbsleben. Im Kern geht es darum, genug Vermögen aufzubauen, damit deine Kapitalerträge die laufenden Ausgaben dauerhaft decken. Wie viel das konkret ist, lässt sich mit einer einfachen Faustregel abschätzen.
Was FIRE eigentlich bedeutet
FIRE ist kein Produkt und keine feste Methode, sondern eine Bewegung mit einem gemeinsamen Ziel: nicht mehr aus finanzieller Not arbeiten zu müssen. Du erreichst diesen Punkt, wenn dein investiertes Vermögen so groß ist, dass die Entnahmen daraus deinen Lebensunterhalt tragen – ohne dass das Kapital langfristig aufgebraucht wird.
Dabei gibt es Abstufungen. “Lean FIRE” beschreibt einen sehr sparsamen Lebensstil mit niedrigem Kapitalbedarf, “Fat FIRE” einen großzügigen mit entsprechend höherem Zielvermögen. Allen gemeinsam ist die zentrale Frage: Wie viel Geld brauche ich, und wie komme ich dorthin?
Die 4-%-Regel und die 25er-Regel
Die bekannteste Faustregel zur Beantwortung ist die 4-%-Regel. Sie besagt vereinfacht: Wenn du im ersten Ruhestandsjahr 4 % deines Vermögens entnimmst und diesen Betrag danach jährlich an die Inflation anpasst, reicht das Kapital mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen langen Zeitraum.
Drehst du die 4-%-Regel um, erhältst du die 25er-Regel: Da 4 % einem Fünfundzwanzigstel entsprechen (100 % ÷ 4 % = 25), brauchst du das 25-Fache deiner jährlichen Ausgaben als Vermögen.
Zielvermögen ≈ jährliche Ausgaben × 25
Die beiden Regeln sind also nur zwei Blickwinkel auf dieselbe Annahme: Die Entnahmerate beträgt 4 % pro Jahr.
Rechenbeispiel: Zielvermögen bestimmen
Angenommen, du brauchst monatlich 2.000 € zum Leben. Das sind im Jahr:
2.000 € × 12 = 24.000 € jährliche Ausgaben.
Nach der 25er-Regel ergibt sich daraus dein Zielvermögen:
24.000 € × 25 = 600.000 €.
Umgekehrt bestätigt die 4-%-Regel das Ergebnis: 4 % von 600.000 € sind 24.000 € – genau deine Jahresausgaben.
Wenn du komfortabler leben möchtest und mit 3.000 € im Monat (36.000 € im Jahr) rechnest, steigt das Ziel auf 36.000 € × 25 = 900.000 €. Du siehst: Jeder zusätzliche Euro an laufenden Kosten erhöht den Kapitalbedarf um das 25-Fache. Mit dem fire-rechner kannst du deine eigenen Zahlen direkt durchspielen.
| Jahresausgaben | Monatlich | Zielvermögen (× 25) |
|---|---|---|
| 18.000 € | 1.500 € | 450.000 € |
| 24.000 € | 2.000 € | 600.000 € |
| 36.000 € | 3.000 € | 900.000 € |
| 48.000 € | 4.000 € | 1.200.000 € |
Die Sparquote ist der größte Hebel
Für die Zeit bis zur finanziellen Unabhängigkeit ist nicht in erster Linie dein Einkommen entscheidend, sondern deine Sparquote – also der Anteil deines Nettoeinkommens, den du investierst. Der Grund ist doppelt: Eine hohe Sparquote bedeutet, dass du mehr zur Seite legst und gleichzeitig mit weniger Geld auskommst. Niedrigere Ausgaben senken zusätzlich das benötigte Zielvermögen.
Zwei Beispiele verdeutlichen das. Wer 50 % des Nettoeinkommens spart, lebt vom Rest und legt genauso viel zurück, wie ausgegeben wird. Wer dagegen nur 10 % spart, braucht für jedes gesparte Jahr deutlich länger und muss zugleich ein größeres Vermögen ansparen, weil die Ausgaben höher liegen. Deshalb verkürzt eine Steigerung der Sparquote die Zeit bis FIRE stärker als eine reine Gehaltserhöhung, von der ein Teil oft wieder in höhere Ausgaben fließt.
Grenzen der 4-%-Regel
Die 4-%-Regel ist eine nützliche Orientierung, aber keine Garantie. Sie geht auf die sogenannte Trinity-Study aus den 1990er-Jahren zurück, die historische US-Renditen von Aktien und Anleihen über Zeiträume von meist 30 Jahren untersucht hat. Daraus ergeben sich mehrere Einschränkungen, die du kennen solltest:
- US-Daten und Vergangenheit. Die Studie beruht auf historischen amerikanischen Marktdaten. Vergangene Renditen sind keine Zusage für die Zukunft, und andere Märkte können sich anders entwickeln.
- Begrenzter Zeithorizont. Die ursprüngliche Untersuchung betrachtete vor allem 30-Jahres-Zeiträume. Wer mit 40 in Rente geht, plant womöglich für 50 Jahre oder mehr – dann sinkt die als sicher geltende Entnahmerate tendenziell.
- Sequence-of-Returns-Risiko. Treffen schwache Börsenjahre auf den Anfang der Entnahmephase, wird das Kapital früh angegriffen und kann sich schlechter erholen. Die Reihenfolge der Renditen ist also entscheidend, nicht nur ihr Durchschnitt.
- Inflation. Die Regel verlangt, die Entnahme jedes Jahr an die Teuerung anzupassen. Bleibt die reale Kaufkraft das Ziel, muss das Vermögen entsprechend mitwachsen.
Wer auf Nummer sicher gehen will, rechnet deshalb oft mit einer vorsichtigeren Entnahmerate von etwa 3 bis 3,5 % – was nach der Umkehrlogik ein höheres Zielvermögen bedeutet.
Die Entnahmephase realistisch planen
FIRE endet nicht mit dem Erreichen des Zielvermögens – die eigentliche Herausforderung beginnt erst in der Entnahmephase. Hier zählt, wie lange dein Kapital bei einer bestimmten Rendite, Inflation und monatlichen Entnahme trägt. Genau das kannst du mit dem entnahmeplan-rechner durchrechnen und verschiedene Szenarien vergleichen.
Sinnvoll ist es, nicht starr an einer festen Prozentzahl festzuhalten. Flexible Strategien – etwa in schwachen Börsenjahren etwas weniger zu entnehmen – senken das Risiko, dass das Geld vorzeitig ausgeht. Ein finanzieller Puffer für unerwartete Ausgaben gehört ebenfalls zu einer belastbaren Planung.
Fazit
Die 4-%- bzw. 25er-Regel ist ein einfacher, nachvollziehbarer Einstieg, um dein FIRE-Zielvermögen abzuschätzen: Jahresausgaben mal 25. Sie ersetzt aber keine sorgfältige Planung. Behandle die 4 % als Ausgangspunkt, nicht als Versprechen, und berücksichtige Inflation, deinen Zeithorizont und das Sequence-of-Returns-Risiko. Spiel deine konkreten Zahlen mit dem fire-rechner und dem entnahmeplan-rechner durch – so wird aus einer Faustregel ein Plan, der zu deiner Situation passt.